Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz

Perrine – Die Hose, die fast keine geworden wäre

Seit einer Weile bin ich ja auf der Suche nach dem perfekten Hosenschnitt. Und auch wenn ich ihn noch nicht gefunden habe, konnte ich auf dem Weg immerhin viele Erfahrungen sammeln und bin jetzt fast Hosennähprofi. Ich weiß, welche Änderungen ich vornehmen muss, um die Passform zu optimieren, Reißverschlüsse nähe ich im Schlaf und meine Paspeltaschen werden bei jedem Mal schöner. Haha, denkste. Mein letztes Projekt hat mich auf den Hosenboden der Tatsachen zurückgeholt. Akuter Fall von Nähdemenz. Dass ich nun doch eine fertige und tragbare Hose zeige, grenzt an ein Wunder.

Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz

Dabei ging alles ganz gut los: Coralie Bijasson hatte mir ihren neuen Schnitt Perrine zur Verfügung gestellt. Auf dem Stoffmarkt fand ich einen tollen, schwarzblauen Tweed. Für die erste Irritation sorgte dann der Galonstreifen an der Seite. Ich kannte es bisher nur so, dass der auf die Außennaht gesteppt wird. Hier sollte er allerdings zwischen den Nähten liegen. Ich checkte die Anleitung ungefähr sieben Mal, zweifelte an meinen Französisch-Kenntnissen und gab den Text nochmal bei drei verschiedenen Übersetzungsprogrammen ein. Nö, eindeutig dazwischen. Auch die Maße sprachen dafür. Ohne die drei Zentimeter des eingesetzten Bandes wäre der Oberschenkel seeehr eng geworden. Also gut.

Paspeltaschen-Lektion: Erst denken, dann schneiden!


Ich entschied mich für blaues Satinband aus meiner Geschenkverpackungskiste, das ich auch für die Paspeln der Taschen verwendete. Weil ich bei meinen Embrun-Shorts die Paspeltasche tatsächlich auswendig ohne Tutorial hinbekommen hatte, war ich hochmotiviert und nähte munter drauf los. Um dann festzustellen, dass ich den Beleg falsch herum angebracht hatte. Das merkte ich natürlich erst, nachdem ich die Tasche bereits eingeschnitten hatte. Urrrrg. Um’s mal positiv zu sehen: Ich weiß jetzt, wie man verhunzte Paspeltaschen rettet. Und dass es gut ist, immer ausreichend Vlieseline im Haus zu haben.

Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz
Links ist da, wo der Reißverschluss offen ist

Nächster Schritt: Reißverschluss. Offenbar hatte das Paspeltaschenmanöver meine kompletten intellektuellen Reserven verbraucht. Ich hatte komplett vergessen, wie man einen Reißverschluss einnäht. Die Anleitung verstand ich auch nicht mehr. Retter in der Not war mal wieder das Tutorial von Closet Case Patterns aus dem Ginger Jeans Sew Along. Da ich Reißverschlüsse aber immer in der Damenvariante, also Eingriff von links, nähe, musste ich das ganze spiegelverkehrt denken. Warum die Sache unnötig leicht machen… Nach gefühlt drei Stunden, von denen ich ungefähr 2 ½ verständnislos auf mein Material starrte und mich fragte, wo jetzt noch mal links ist, hatte meine Hose einen Verschluss. Ein Glück, dass den niemand von innen sehen muss.

Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz
Stau auf dem Seitenstreifen

Dann endlich ging es zum Designhighlight: den Seitenstreifen. Trotz aller Widrigkeiten hatte sich das Satinband bei den Taschen gut verarbeiten lassen, so dass ich optimistisch war. Bei den langen Nähten schlug es dann aber gewaltige Wellen, die sich nicht vermeiden ließen, egal an welchem Regler der Nähmaschine ich drehte. Gemeinerweise sah es nach dem Bügeln immer gut aus, um dann nach ein paar Minuten doch wieder aus der Form zu geraten. Mit Einlage verstärkt wurde es auch nicht schöner. Am Ende ein klarer Fall von „Ich lass das jetzt so.“


Ab da lief es dann aber rund. Wie üblich musste ich noch ein wenig an der Schrittkurve ändern. Der Rest saß gut. Tatsächlich ist Perrine damit auf der Hosenperfektionsskala ziemlich weit oben (wobei mir auf den Bildern die Falten viel mehr auffallen als in echt. Vielleicht muss ich da noch mal ran). Beim nächsten Mal würde ich allerdings den Streifen weglassen und die entsprechende Breite einfach seitlich an den Hosenbeinen zugeben. Und vielleicht schadet auch ein wenig Gehirndoping vorab nicht.

Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz

Schnitt: Perrine von Coralie Bijassson [en/fr] (wurde mit kostenlos zur Verfügung gestellt)
Stoff: Wolltweed vom Stoffmarkt Holland (selbstbezahlt)

Hose Perrine, Coralie Bijasson, Schneidersitz

PS: Ich reihe mich heute mal bei SewLaLa ein.

3 Kommentare zu “Perrine – Die Hose, die fast keine geworden wäre

  1. Oh die Hose sitzt doch nahezu perfekt. Ist da ein bisschen Stretch im Wollstoff oder ist der ganz pur?
    LG Gunilla

    • Liebe Gunilla,
      das ist tatsächlich 100% Wolle, also nicht wirklich dehnbar. Das hat’s nicht einfacher gemacht. 😉
      Schöne Grüße
      Christine

  2. Nähdemenz, haha. Die hab ich auch. Besonders bei Paspeltaschen und Reißverschlüssen. Egal wie oft ich die nun schon genäht hab, auswendig geht da gar nix. Hilft ja manchmal, wenn man weiß, es geht anderen genauso 😉 Schöne Hose – unbedingt nochmal nähen ohne Geschenkband!

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