Hello, Nähmaschine – Wie alles anfing

Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Nähprojekt? Diese Frage stellte mir Selmin von Tweed & Greet, die gerade das schöne Buch „Hello, Nähmaschine“ veröffentlicht hat. Hätte es das damals schon gegeben, dann wäre mein erstes Nähprojekt wohl keine Modesünde geworden…

Frau Staub, das Scrunchie und ich

Das erste selbstgenähte Teil, an das ich mich erinnere, entstand bei Frau Staub. Frau Staub war Handarbeitslehrerin gewesen, als Handarbeiten noch ein richtiges Schulfach war. Zu meiner Schulzeit war sie längst pensioniert, leitete aber gemeinsam mit der amtierenden Kunstlehrerin die Textil-AG. Während die anderen Kinder die Computer-AG besuchten (Anfang der 90er noch ne ziemlich nerdige Angelegenheit), saßen meine Freundinnen und ich bei Frau Staub: Sie sah genauso aus, wie man sich eine Handarbeitslehrerin vorstellt: klein, rund, mit weißen Haare und faltigem Gesicht. Sie muss damals um die 80 gewesen sein. Trotzdem entstanden in ihrem Kurs absolute Trendteile.

Mein erstes Werk: ein mit neonfarbenem Stoff ummanteltes Haargummi, mit dem Zöpfe vorzugsweise oben oder seitlich am Kopf zusammengehalten wurden. Die modischen Vorbilder reichten von den Mädels von „Full House“ bis zu Nina Hagen. Jahrelang dachte ich mit Schaudern an dieses Accessoire zurück, das kurze Zeit später schon als totale Modesünde galt. Aber seit neuestem scheint es unter dem Namen „Scrunchie“ wieder absolut salonfähig zu sein. Frau Staub wusste offensichtlich, dass jeder Trend einmal zurückkommt. (Aber leider steht er mir heute noch weniger als damals, wie mein Remake beweist.)


Woran ich mich erinnere, ist das Gefühl von Freude und Stolz, etwas selbst gemacht zu haben, etwas genau nach meinem Geschmack, in meinen Lieblingsfarben und mit meinem Lieblingsmuster gestalten zu können und damit etwas ganz Individuelles zu besitzen, das es kein zweites Mal gibt. Dieses Gefühl habe ich auch heute noch, wenn ich bei einem selbstgenähten Kleidungsstück die letzten Fädchen abgeschnitten habe und es endlich anziehen kann. Dabei ist mir heute gar nicht mehr wichtig, was gerade Trend ist oder nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn in jeder Modezeitschrift – sagen wir mal – Volantblusen und Jeans im Destroyed-Look als „Must-haves“ der Saison angepriesen werden und ich deshalb in keinem einzigen Laden mehr Blusen ohne Rüschen und Hosen ohne Löcher finde, ist mir das schnurzpiepegal. Dann näh ich’s mir halt selber.

Hello, erste eigene Nähmaschine

Die Textil-AG bei Frau Staub war keineswegs der Start einer lückenlosen „Nähkarriere“. Aber offensichtlich hatte mich der Virus dann doch so nachhaltig angesteckt, dass ich, als ich 1999 zuhause auszog, lieber eine eigene Nähmaschine als einen Computer haben wollte. Absolut unverständlich – nicht nur für alle heutigen „Digital Natives“, sondern auch für meinen Informatiker-Vater (Hätte er mich mal lieber in die Computer-AG geschickt.). Am Ende bekam ich beide: einen ausrangierten PC und eine neue Nähmaschine.

Dieses Schätzchen, eine supersimple Privileg-Haushaltsnähmaschine, zu der ich vor 19 Jahren im Quelle-Laden „Hello“ sagte, begleitet mich bis heute. Zwischendurch vergingen auch einige Jahre, in denen ich nicht ein einziges Mal das Pedal durchtrat. Aber seit ich 2014 anfing, Kleidung für mich zu nähen, ist sie im Dauereinsatz.

Und jetzt Ihr…

Falls Ihr auch schon mal darüber nachgedacht habt, Nähen zu lernen, oder jemanden kennt, der damit starten will, aber gerade keine Frau Staub in der Nähe hat, dann sucht Euch doch einen Nähkurs im Stoffladen oder bei der VHS. Ooooder besorgt Euch „Hello, Nähmaschine“ von Selmin. Die sieht zwar nicht so grau und faltig aus wie die traditionelle Handarbeitslehrerin, hat aber genausogute Tipps für die ersten Schritte an der Nähmaschine. Und die Projekte, an denen man die Techniken dann ausprobieren kann, sind so schön und praktisch, dass sie einem bestimmt in 20 Jahren nicht peinlich sind. Statt das Nähen von Tunnelzügen und schmalen Öffnungen an Haarschmuck zu üben, könnt Ihr es zum Beispiel mit dieser Wärmflaschenhülle lernen, die Selmin Schritt für Schritt mit anschaulichen Bildern erklärt.

Noch mehr Infos zum Buch findet Ihr hier.

Letzte Woche hat Laura / Tagträumerin schon von ihren Nähanfängen berichtet und ein tolles Kissen nach einer Anleitung aus dem Buch gezeigt. Nächste Woche geht es weiter bei Fredi /Seemannsgarn, am 27. ist Anja / Rapantinchen dran. Und auch Eure Geschichten sind gefragt. Alles dazu findet Ihr hier.
Der Knaller zum Schluss: Ein Exemplar des Buchs darf ich an Euch verschenken! Unter allen, die bis zum 18. April 2018 unter diesem Post kommentieren, lose ich einen Gewinner aus.

Schöne Grüße

Christine

Das Buch wurde mir vom EMF Verlag kostenlos für diesen Post und für die Verlosung zur Verfügung gestellt.
Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel

10 Kommentare zu “Hello, Nähmaschine – Wie alles anfing

  1. Wir haben damals in der Schule den klassischen Turnbeutel genäht, der ja nun auch wieder Trend ist. Damals jedoch komplett alles per Hand. Lustigerweise habe ich ihn neulich mal wieder gefunden und musste mich wundern, wie ordentlich ich genäht hatte, dazu hätte ich nun per Hand gar keine Geduld mehr. Tolle Sache die Blogtour von Selmin, lustig zu lesen, was jeder zu erzählen hat.

    • Christine

      Wow, dafür hätte ich wahrscheinlich als Kind keine Geduld gehabt – und heute definitiv auch nicht 😉
      Aber toll, dass Du den Beutel wieder gefunden hast. Das ist so eine schöne Erinnerung.

  2. Hach, danke liebe Christine für diesen tollen Post, ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich auf die Fotos linse:-) Irgendwie finde ich es gerade schade, dass ich erst nach den 90ern angefangen habe zu nähen 😀 Ich hab meine Scrunchies immer gekauft und sah manchmal genauso aus:-) Zusammen mit der Wärmflasche biste jetzt gut gerüstet für gemütliche 90er Jahre Videoabende auf der Couch:-) Ich komm dazu und bring Popcorn mit…hihi:-) Liebste Grüße, Selmin

    • Christine

      Ah, Du kennst die Geschichte von meiner Zeit als Popcorn-Verkäuferin im Kino noch nicht… Aber beim Videoabend bin ich natürlich dabei 😉

  3. sehr sehr lustig die Handarbeitsgeschichte!! habe mehrmals schmunzeln müssen :))… in den ’90er wurde meine Omi auch um die achtzig an die Schule meiner Cousins geholt, um dort eine Strick-AG zu leiten… die war super erfolgreich.

    • Christine

      Ach, wie schön, das kann ich mir vorstellen, dass Omi da zum Star wurde. Gestrickt haben wir in der Schule, soweit ich mich erinnere, nur mit Stricklieseln. Da waren die Ergebnisse nicht so beeindruckend.

  4. Die Scrunchies hatte ich auch, allerdings gekauft. 🙂
    Witzig geschrieben.

    Ich würde das Buch so gerne gewinnen.
    Meine Nähambitionen sind groß, mein Können hinkt dem noch hinterher. 🙂

    • Christine

      Dann drücke ich die Daumen, dass Du demnächst auch dein erstes Scrunchie nähen kannst. Ober vielleicht doch lieber ein Projekt aus dem Buch 🙂

  5. Christina

    Haha! Diese Haarbänder! Ich musste so lachen, als ich sie neulich als „neue“ Trendacssesoirs“ entdeckte!
    Meine Freundinnen und ich haben sie tatsächlich auch als Armbänder getragen. Eine von uns vorzugsweise am Oberarm .
    Während du dein Haarband genäht hast, habe ich wohl in der Projektwoche an meinem ersten Rucksack gesessen. Ich wollte ihn damals etwas verbreitern, damit mehr reinpasst. Falsche Seite verlängert, Ergebnis: ein seeeeehr langer Schlauch, aus dem man einmal Eingestecktes nur seeehr schwer wieder befreien konnte…
    Das Buch klingt spannend! Ich würde es gerne meiner Frendin schenken, die gerne mit dem Nähen starten würde.
    Gruß Christina

  6. Da hüpfe ich doch noch mit in den Lostopf. Zwar bin ich keine Nähanfängerin mehr, aber das Buch und die bisher gezeigten Beispiele machen einfach Lust aufs durchblättern!
    Vielen Dank an Selmin und Dich für die Verlosung.
    Viele Grüße,
    Tanja

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