Badeanzug wird Bauchtasche – Upcycling-Tutorial

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Ich gehe ja regelmäßig laufen. Also, eigentlich. Leider gibt es ja immer waaahnsinnig viel, was mich daran hindert: Im Winter ist es zu kalt, zu nass und zu dunkel, ab März droht im Park Erstickungsgefahr durch Pollen oder Grillrauchschwaden. Aber meine Lieblingsausrede, äh mein Lieblings-absolut-überzeugendes-Argument im Sommer ist: Meine Sommerlaufhosen haben keine Tasche und ich weiß nicht wohin mit dem Schlüssel. Okay, es gibt Armtaschen und Gürteltaschen, aber die sind alle so steif und groß und stören mich beim Laufen.

Für alle, die dieses gravierende Problem kennen (und die auch gerne viel öfter joggen würden, aber es deshalb leider, leider nicht schaffen), gibt es hier ein kleines Tutorial für eine quasi im Sprinttempo genähte Bauchtasche, die ganz leicht und angenehm zu tragen ist, aber trotzdem ganz viel Platz bietet.

BT_1_Material

Was ihr braucht:

•30 x 30 cm Stoff (z. B. von einem alten Badeanzug)
•zwei 8 cm breite Stoffstreifen mit einer Gesamtlänge von 70 cm (hier 20 cm + 50 cm; alternativ 70 cm Gummiband, 2,5 cm breit)
•30 cm Reißverschluss
•Steckschnalle mit Schieber 2,5 cm

Außerdem solltet Ihr den Reißverschlussfuß Eurer Nähmaschine und eine stärkere Nadel bereitlegen.

Im Prinzip kann die Tasche mit jeder Art von dünnem Stoff genäht werden. Optimal ist aber ein elastischer Jersey, z. B. aus Polyamid und Elastan, wie er für Sport- und Badekleidung verwendet wird. Durch den geringen Stoffbedarf eignet sich die Tasche bestens, um alten Sportklamotten zu neuem Leben zu verhelfen. Für dieses Tutorial habe einen alten Badeanzug zerschnitten. Ihr könnt aber auch die Reste nehmen, die beim Nähen von Laufhose oder -Shirt übriggeblieben sind, und habt dann gleich ein perfekt abgestimmtes Sportoutfit.

Den Gürtel könnt Ihr auch aus einem Kontraststoff nähen. Oder Ihr nutzt 2,5 cm breites Gummiband. Allerdings empfehle ich dann eine angerauhte Oberfläche, da ihr den Gürtel direkt auf der Haut tragt und normale Gummis scheuern könnten.

Mit den hier angegeben Maßen erhaltet ihr eine Tasche mit einem Umfang von 74-92 cm. Liegen Eure Maße darunter oder darüber könnt ihr den Gürtel einfach entsprechend kürzen oder verlängern.

Wie es geht:

Zuerst für die beiden Gürtelteile die Stoffstreifen jeweils längs rechts auf rechts falten, so dass die langen Kanten aufeinanderliegen. Mit einem elastischen Stich 1 cm neben der Kante an der langen und einer kurzen Seite zusammennähen, wenden. Wer mag, kann den Gürtel noch von rechts mit einem elastischen Zierstich absteppen. Wenn sich Euer Stoff bügeln lässt, solltet ihr das Band auf jeden Fall glätten; bei Funktionsjersey und Badeanzugstoff lieber nicht.

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Nun einen den beiden Streifen mit dem geschlossenen Ende durch ein Teil des Verschlusses fädeln und so eng wie möglich zusammennähen. Das geht gut mit dem Reißverschlussfüßchen. Näht mehrmals vor und zurück, damit die Naht schön stabil ist.

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Den anderen Streifen durch den Schieber ziehen und auch hier das geschlossene Ende zu einer engen Schlaufe zusammennähen. Dann das Band durch das andere Verschlussteil und wieder zurück durch den Schieber ziehen.

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Achtet darauf, dass die Nahtzugabe, also die weniger schöne Seite der kleinen Schlaufe am Schieber innen in der großen Schlaufe liegt.

Weiter geht es mit dem Taschenbeutel:

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Dafür den Reißverschluss rechts auf rechts an eine Seite des Stoffquadrats legen. Der Schieber sollte 1 cm von der Kante entfernt sein. Annähen. (Je nachdem wieviel Ihr vom Reißverschlussband sehen möchtet, kann der Abstand der Naht zur Kante variieren.). Achtet darauf, den Stoff nicht zu dehnen.

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Aufklappen und knappkantig absteppen. Ich habe einen Zickzackstich gewählt, es geht aber auch mit anderen Zierstichen oder Geradstich. Schön sind auch Nähte in Kontrastfarben.

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Nun den Stoff falten und die zweite Reißverschlusshälfte rechts auf rechts an die gegenüberliegende Stoffkante stecken und festnähen.

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Den so entstandenen Schlauch wenden und den Reißverschluss öffnen. Von rechts mit Zickzack- oder anderem Stich absteppen.

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Markiert an den offenen Schmalseiten des Gürtels die Mitte und legt sie über die Reißverschlussenden, so dass die Kanten bündig abschließen. Die linke, also die spätere Innenseite des Gürtels, liegt oben. Mit ca. 0,5 cm Abstand zur Kante festheften. Das geht bei elastischem Material besser von Hand, da sich der Stoff an der Maschine schnell dehnt und das genaue Übereinanderlegen der Mitte von Gürtel und Reißverschluss erschwert.

Den Reißverschluss soweit schließen, dass noch eine kleine Öffnung (ca. 5 cm) bleibt, durch die Ihr die Tasche später wenden könnt.

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Schließt jetzt den Gürtel und faltet ihn so über dem Reißverschluss, so dass er an den Außenseiten nur einfach liegt. In der Mitte wird dann der Rest „gestapelt“ und festgesteckt. So ist er gleich beim Nähen der Beutelkante nicht im Weg.

Auf links wenden, flach hinlegen. Der Reißverschluss liegt dabei unten und so weit wie möglich an der linken Seite. Eventuell die Kante zusammenheften.

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Teilt den Stoff jetzt in fünf Streifen parallel zum Reißverschluss ein und markiert sie am Rand mit Knipsen. Klappt den rechten Teil an der zweiten Linie über den linken. Der Reißverschluss sollte jetzt genau in der Mitte zwischen zwei Knipsen liegen.

An der nächsten Linie wieder zurückfalten und an der äußeren rechten wieder nach links.

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Auf der rechten Seite ist eine Zickzackfaltung entstanden ist. Über diese wird jetzt von links der Reißverschluss geklappt.

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Näht dann diese Stofflagen an den kurzen Seiten zusammen. Nutzt dafür eventuell eine stärkere Nadel und steppt ein paar Mal vor und zurück, damit das Ganze gut hält. Dann die Nahtzugaben etwas zurückschneiden.

BT_10_Seiten

Durch die Öffnung auf rechts wenden, Stecknadeln entfernen, in Form ziehen, fertig!

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Durch die spezielle Faltung bleibt die Tasche schön schmal, wenn wenig drin ist. Das zusätzliche Volumen hängt nicht runter, sondern entblättert sich erst nach und nach, wenn der Inhalt wächst. Dann passt sogar eine Wasserflasche oder ein Shirt zum Überziehen hinein. Und so eine schöne Tasche lenkt zudem noch vom roten Kopf ab.

Eine Ausrede weniger. Also nix wie los.

Christine

PS: Die Badeanzug-Bauchtasche ist übrigens mein Backup für die 12 Letters of Handmade Fashion im Juni, falls ich mit meinem eigentlich geplanten Beitrag in die Bredouille gerate.

 

 

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