Schlagwort: violett

Ein Statementärmel ohne Statement – Lila Paris-Top

Ich mag Lila. Es gab mal eine Zeit, als mein Auto und meine Haare lila waren. Aber das ist eine Geschichte, die ich ein anderes Mal erzähle (das nächste Lila-Projekt ist schon auf dem Weg). Jetzt geht es erst mal um mein lila Cambridge-Paris-Top.

Als ich erfuhr, dass es im August bei den 12 Colours of Handmade Fashion um Lila geht, hatte ich gleich eine Bluse mit Trompetenärmeln vor Augen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich das Schnittmuster bestellt, gedruckt, geklebt, den Stoff gekauft, gewaschen und zugeschnitten. Und dann erstmal in der Reisetasche verstaut. Genäht wurde nämlich in Cambridge beim Sewing Weekender. (Mein kurz davor mehrfach geführter Lieblingsdialog: „Ich fahre übers Wochenende nach England.“ „Ach, schön, Urlaub oder beruflich?“ „Ähm, nee, zum Nähen.“ „…“) Hach, warum ist nicht jedes Wochenende ein Nähwochenende?  In bester Gesellschaft konnte ich nicht nur an meinem Blüschen basteln, sondern auch noch ganz viele Inspirationen abholen.

Das Schnittmuster ist übrigens nicht englisch, sondern französisch. Orageuse heißt das Label, Paris der Schnitt. Eigentlich ist es ein gerade geschnittenes Top mit kurzen Ärmeln, man kann aber für zwei Extra-Euros noch ein Kit mit zwei Langarmvarianten dazu bestellen. Die Anleitung gibt es auch auf englisch. Sie ist gut verständlich und enthält auch einige Tipps für Anpassungen. Außerdem bekommt sie von mir einen Bonuspunkt, weil sie im Querformat angelegt ist. Ich drucke Anleitung nie aus, sondern lese sie auf dem Bildschirm, und da ist Hochformat einfach unpraktisch. Also, liebe Schnittersteller, nehmt Euch ein Beispiel und denkt quer!

Da mein Stoff recht transparent ist und ich zudem relativ sicher war, dass mir in Cambridge keine Overlock mit passendem Garn zu Verfügung stehen würde, habe ich bei der Versäuberung umdisponiert. Mit französischen Nähten und selbstgeschnittenen Schrägstreifen am Halsausschnitt anstelle von Belegen sieht es jetzt schön ordentlich aus. (Dass sich der Ausschnitt kräuselt, übersehen wir einfach mal, okay?…) Auf den vorgesehenen Reißverschluss am Rücken habe ich auch verzichtet. Einer aus Metall wäre für den leichten Stoff vermutlich zu schwer geworden und Plastik wollte ich nicht.

Beim Bügeln des ersten Abnähers stellte sich leider heraus, dass die Angaben auf dem Stoffetikett nicht gestimmt hatten. Statt reiner Baumwolle war offensichtlich ein bisschen Polyester dabei. Ziemlich ärgerlich, nicht nur weil ich kein Poly-Fan bin, sondern auch weil der Abnäher jetzt leicht angeschmolzen ist. Zum Glück sieht man es kaum. Für ein Ersatzschnittteil hatte ich nicht genug Stoff mit nach Cambridge genommen.

Die nächste Hürde waren die Knopflöcher, die für die Schnürung in die Ärmel eingearbeitet werden sollten. Die gestellten Maschinen (im Gegensatz zu Selmin hatte ich meine Nähmaschine nicht mitgenommen) machten einfach keine schönen Knopflöcher. Nach diversen vergeblichen Versuchen auf einem Stoffrest gab ich auf und arbeitete Paspelknopflöcher ein. Eine ziemlich fummelige Angelegenheit, die ich mir auch hätte sparen können. Denn wer sich die Fotos genau angesehen hat, fragt sich sicher schon: Was für Knopflöcher? Was für eine Schnürung?

Eigentlich gibt es am Oberarm eine Art Tunnel mit zwei Löchern, durch die Bänder gezogen werden ­– ein hübsches kleines Detail, das sich für mich aber als unpraktisch herausgestellt hat. Tatsächlich habe ich wieder zuhause drei Wochen lang nach passenden Bändern gesucht. Alle, die ich testweise eingezogen habe, gefielen mir nicht. Irgendwann merkte ich dann, dass es nicht an falschen Farben oder Materialien lag, sondern dass mich diese rumbammelnden Enden einfach störten. Schade, weil das auf den Bildern von Orageuse richtig gut aussieht. Aber da ich meine Kleidung nicht nähe, um schöne Blogfotos zu machen, sondern um sie im wahren Leben anzuziehen, mussten die Bänder leider wieder weg. Weil die „leeren“ Knopflöcher aber auch komisch ausgesehen hätten, habe ich diesen ganzen Bereich wieder aufgetrennt und neu zusammengesetzt. Deshalb gibt es jetzt diese etwas unmotivierte Naht am Oberarm. Auch nicht optimal, aber immerhin alltagstauglich. Und unter der Jacke sieht’s auch keiner.

Ich esse jetzt ein lila Beereneis und schaue mir die Parade auf Tweed & Greet an.

Schöne Grüße

Christine

PS: Seit ich mit dem Schreiben dieses Beitrag begonnen habe, habe ich einen Ohrwurm: Purple rain, purple rain…

 

Etwas in Lila

Bluse, neu genäht
Schnitt: Top Paris + Ärmel-Kit von Orageuse
Stoff: Mischgewebe von Karstadt in Dortmund

Die Kombinationen

Jacke: selbstgenäht, hier gezeigt; Jeans: Esprit; Schuhe: Görtz

Rock: selbstgenäht, hier gezeigt

Jeans: selbstgenäht, hier gezeigt, Schuhe: Tamaris