Nähen macht glücklich. Yoga auch.


Nähen ist mein Yoga – zu diesem Hashtag gibt es mehr als siebzigtausend Bilder auf Instagram. Auch auf Kaffeebechern und Einkaufsbeuteln habe ich den Spruch schon gesehen. Aber immer wenn ich ihn lese, bin ich skeptisch. Denn eigentlich bedeutet er doch, dass man, wenn man näht, kein Yoga braucht. Und das wiederum hieße, ich müsste auf eines meiner beiden Lieblingshobbies verzichten. Geht gar nicht. Denn für mich ist es so, dass Nähen Yoga nicht ersetzt, sondern ergänzt. Klingt komisch? Vielleicht, aber tatsächlich gibt es einiges, was ich vom Yoga für’s Nähen gelernt habe und umgekehrt. Zum heutigen Weltyogatag (gibt’s wirklich) zeige ich Euch deshalb nicht nur mein neues Yogaoutfit in Aktion. Ich mache mir auch ein paar Gedanken über glückliche Näh-Yogis und meditatives Nahtauftrennen.

Total verspannt

Wenn man einen Orthopäden fragte, wäre die Antwort wohl ziemlich eindeutig: Nähen ist kein Ersatz für Yoga. „Aha, Sie haben einen verspannten Nacken und Bandscheibenprobleme. Na, dann sollten Sie sich regelmäßig in merkwürdigen Verrenkungen auf den Boden hocken und Stoff zuschneiden. Ein paar Stunden über die Nähmaschine gebeugt sind auch zu empfehlen.“ Eher schwer vorstellbar, oder? Obwohl ich vielleicht trotzdem mal bei meiner Krankenkasse nachfrage, ob es da Zuzahlungen für Nähkurse gibt.

Tief ein- und ausatmen

Ich könnte mir vorstellen, dass Nähen für die #nähenistmeinyoga-Anhänger so eine Art Entspannungsübung ist. Manchmal schaffe ich es auch beim Nähen in einen meditativen Zustand zu verfallen. Zum Beispiel wenn mein altes Maschinchen beim kilometerlangen Dreifach-Geradstich gleichmäßig vor sich hin rattert und ich meinen Blick ganz konzentriert auf den Abstandhalter für die Nahtzugabe fixiere. Das kommt aber selten vor. Viel häufiger ist es leider, dass fünf Zentimeter vor dem Ende der Unterfaden ausgeht, ich rechte und linke Stoffseite verwechsle, dreimal hintereinander die gleiche Naht auftrennen muss oder andere kleine Kataströphchen passieren. Ich werde dann schnell seeehr unentspannt. Da hilft nur tief einatmen, tief ausatmen, Augen schließen, ommmmmmm. Oder Viparita Karani: auf den Rücken legen, Beine an die Wand und die Welt ist wieder in Ordnung.

Einfach mal machen

Stellt Euch folgende Situation im Yogastudio vor: Die Lehrerin erklärt eine neue Position, die dann alle nachmachen sollen. Irgendwas mit verschränkten Beinen, verknoteten Armen und auf dem Kopf stehend oder so. Früher hätte ich bei vielen dieser manchmal wirklich verrückt aussehenden Haltungen direkt gedacht: „Schaff‘ ich ja eh nicht. Zu ungelenkig, zu wenig Kraft und auf dem Kopf wird mir sowieso immer schlecht.“ Gesagt hätte ich: „Ach, ich mache das heute mal nicht, meine Schulter, du weißt schon.“ Irgendwann hat sich dann ein Schalter umgelegt. Vielleicht hatte ich einfach einen mutigen Tag. Statt eine Ausrede vorzubringen, habe ich meiner Yogalehrerin vertraut und einfach mal etwas Neues ausprobiert. Das mache ich seitdem öfter. Manchmal klappt’s gut, manchmal weniger. Aber was kann schon groß passieren, wenn ich’s einfach mal mache? Entweder ich stehe wunderschön in der Position und gehe mit dem glückseligen Gefühl nach Hause, der Superyogi zu sein, oder ich kann später erzählen, wie ich mit einem gewaltigen Rumms auf meinem Allerwertesten gelandet bin. Und was gibt es Besseres als Geschichten, mit denen man andere zum Lachen bringt?
Genau diese Einstellung habe ich auch beim Nähen. Oft höre ich von Freundinnen: „Echt, die Jeans ist selbstgenäht? Das würde ich mich ja nie trauen.“ Klar ist es einfacher, Kissenbezüge zu nähen. Aber diese kleinen Glücksmomente, wenn die erste selbstgenähte Jeans zwar noch nicht hundertprozentig perfekt ist, aber schon wie eine echte Jeans aussieht, sind es absolut wert, den inneren Bremsklotz zur Seite zu schieben und einfach mal loszulegen.

Glücklich und zufrieden sein

In mir gibt es diese unverbesserliche Perfektionistin, die immer etwas findet, das noch besser und noch schöner sein könnte. Das kann auch die Naht sein, die nicht absolut gerade ist, das minimal schiefe Knopfloch oder diese eine Falte hinten am Hosenbein, die da einfach nicht hingehört. Statt vor mich hin zu grummeln, mache ich mir dann bewusst, dass ich gerade ganz viel Zeit, Energie und Liebe in dieses Projekt gesteckt habe und allen Grund habe zufrieden zu sein. Und wie schon der gute alte Yoga-Urvater Patanjali sagte: „Aus Zufriedenheit geht unvergleichliches Glück hervor.“

Nähmasté

Christine

PS: Eigentlich hatte dieser Text noch einen weiteren Absatz. Der ist aber so lang geworden, dass ich daraus demnächst einen eigenen Post machen muss.

PPS: Beim OMM, äh MMM bin ich heute auch dabei.

Schnitt: Shirt aus dem Knot-Maste Yoga Set von Fehrtrade, Leggings: Burda Style 1/2017 106
Stoff: Baumwolljersey und Badeanzugstoff von Javro

20 Kommentare zu “Nähen macht glücklich. Yoga auch.

  1. Spitze!!! Die Hose , das Shirt, der Text ….Ich liebe deine Posts

  2. Oh, Du sprichst mir aus der Seele!!! Nähen ist kein Ersatz für Yoga und mich macht nähen oft auch mehr aggressiv als tiefenentspannt. Dennoch liebe ich das Nähen und Yoga. Dein Shirt finde ich übrigens TOP und die Hose habe ich selbst als Yogahose vernäht. Schau doch mal bei mir vorbei. LG Anke

    • Christine

      Ach, klasse. Die werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen.
      Liebe Grüße
      Christine

  3. Hihi…ich stimme Angela voll und ganz zu, ich liebe Deine Posts! Und ich musste beim Lesen immer fleißig nicken…einfach mal maaaachen!! Soo einfach ist’s! Tolle Hose und coole Idee mit der Applikation, ist doch eine Applikation, oder? Liebste Grüße, Selmin

    • Christine

      Danke, liebe Selmin!
      Ja, das ist eine Applikation. Mir war das Shirt irgendwie noch zu kahl, da habe ich mir aus einem Rest des Hosenstoffs noch schnell ein OM gebastelt.

  4. Ein schöner Post. Ich überlege ja auch immer wieder mal, ob ich das mit dem Yoga probiere. Aber irgendwie kann ich mich noch nicht wirklich dazu entschließen.
    Dein Shirt gefällt mir total klasse. Da schaue ich mir den Schnitt doch gleich mal an!

    Gruß Marion

    • Christine

      Einfach mal ausprobieren, würde ich vorschlagen 😉 Oft kann man ja auch Probestunden machen, um zu schauen, ob man überhaupt Spaß daran habt.
      Liebe Grüße!

  5. Liebe Christine,
    dein Post ist wieder so schön. Die Hose und das Shirt sind klasse.
    Ich entspanne beim Rad fahren und nähen. Und auch bei mir kann das eine das andere nicht ersetzen.
    Kann ich nicht – gibt’s nicht, denn
    „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ wusste schon Henry Ford zu sagen… Also einfach mal ausprobieren und machen!
    In diesem Sinne
    Liebe Grüße Marion

    • Christine

      Das ist auch ein schönes Zitat, liebe Marion. Recht hat der Henry. 😉
      Radfahren finde ich zur Entspannung auch super, vor allem bei so schönem Wetter wie im Moment.
      Liebe Grüße
      Christine

  6. Ein sehr schöner Text und ein tolles Outfit! Beim Nähen bin auch oft alles andere als entspannt, aber manchmal habe ich dann doch diese Om-Momente. Vielleicht sollte ich das mit dem Yoga auch nochmal in Angriff nehmen – irgendwann siegt bestimmt auch dort die Entspannung über meine Ungelenkigkeit 🙂

    • Christine

      Gelenkig bin ich zum Glück. Dafür habe ich einen miserablen Gleichgewichtssinn. Wenn ich dann mal auf einem Bein stehen soll, werde ich auch ganz schön unentspannt 😉 Und trotzdem kann ich’s nur empfehlen.
      Liebe Grüße!

  7. Du bist unglaublich!!! Ich habe sooo gelacht erinnert mich deine Erzählung doch sehr an meine ersten Yogastunden. Leider ist unsere Yogalehrerin weggezogen und zu einer anderen Yogastunde hat es mich noch nicht hingezogen. Aber dein Outfit ist super. Die Applikation auf dem Shirt ganz toll. Deine Assanas sehen profi aus. Und ich glaube ich werde mir jetzt doch eine neue Yogalehrerin suchen!!!!
    Nähen bis zum eigenen Perfektionismus ist halt doch nicht so entspannend…..
    Einen wunderbaren Feierabend wünsche ich dir mit allen perfekten und nicht perfekten Momenten!!!
    LG Elisabeth

    • Christine

      Ganz lieben Dank, Elisabeth!
      Mir sind auch schon zweimal meine Lieblingsyogalehrerinnen durch Umzug bzw. Schwangerschaft abhanden gekommen. Deshalb kann ich Dich gut verstehen. Nach ein bisschen Suchen habe ich jetzt aber wieder neue gefunden, bei denen ich mich sehr wohl fühle. Ich wünsch‘ Dir, dass das bei Dir auch klappt.
      Und was die „Profi“-Asanas betrifft: Die auf den Fotos sind genau die, die ich einigermaßen beherrsche. 😀
      Schöne Grüße

  8. Wow, die Hose ist klasse, das Shirt natürlich auch. Aber der tolle Stoff hat mich gleich angesprochen und der Stil der Hose gefällt mir auch ausgesprochen gut. Leider ist der Schnitt nur bis Gr. 44. Aber ich überlege, ihn als Download zu bestellen.
    Liebe Grüße, Frilufa

    • Christine

      Vielen Dank 😀
      Der Hosenschnitt ist wirklich sehr schön. Vielleicht probierst Du’s mal, er fällt nämlich ziemlich groß aus. Ich habe entsprechend der Maßtabelle 44 zugeschnitten, aber dann ungefähr 6 cm an der Hüfte und 4 cm an den Beinen weggenommen. Allerdings ist der Stoff auch sehr elastisch.
      Schöne Grüße!

  9. Ein tolles Yoga Outfit! Besonders der Stoff der Hose hat es mir angetan. ist das der Jersey oder der Badeanzugstoff?
    lG Claudia

    • Christine

      Das ist der Badeanzugstoff. Der ist superelastisch und damit perfekt für solche Hosen. Leider finde ich davon auch selten welchen, der mir gefällt. Diesmal hatte ich Glück! Falls Du zufällig aus dem Ruhrgebiet kommst: Den habe ich von Javro in Herten. 🙂
      Liebe Grüße
      Christine

  10. Sehr schöner Beitrag! Und dazu noch tolle Bilder!!
    Vielen Dank :o)
    Lieben Gruß, Melanie

  11. Nähmasté ist absolut Nobelpreis-verdächtig !!! Ich kann mich da den Anderen nur anschließen: tolles Outfit auf einem tollen Blog!
    Und vielleicht bekomme ich meinen Hintern ja doch bald endlich mal in ein Yoga-Studio…
    Liebe Grüße
    Bine

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