Jeansrock im zweiten Anlauf – ein blaues Redesign

Obwohl ich auch gerne einfache Da-kann-man-nix-falsch-mit-machen-Basics nähe, mag ich es besonders, auch mal mit ungewohnten Farben, Materialien und Schnitten zu experimentieren. Manchmal führt das zu richtigen Aha-Erlebnissen, weil mir ein Teil viel besser gefällt als ich erwartet hätte. Es gibt aber auch Fehlversuche, bei denen ganz schnell klar ist, dass ich sie nie tragen werde. Die schaffen es gar nicht erst in den Kleiderschrank (und schon gar nicht auf den Blog), sondern werden gleich verschenkt oder wieder aufgetrennt.

Der blaue Svaneke-Jeansrock, den ich im letzten Sommer genäht habe, ist irgendwas dazwischen. Gezeigt habe ich ihn hier. Schon damals hatte ich meine Zweifel, ob er wirklich alltagstauglich ist. Und tatsächlich habe ich ihn nur zwei, drei Mal angezogen. Zwar fand ich ihn eigentlich ganz schön, aber die Mengen an Stoff, die mir um die Beine wehten, störten mich immer (Wer öfter Röcke trägt als ich, ist da vielleicht abgehärteter.).

Noch schwieriger war der Mangel an Kombinationsmöglichkeiten. Die Midi-Länge mag ich nur mit ein paar Zentimetern Absatz. Mit flachen Sandalen fühle ich mich darin zu plump. Lässige FlipFlop-Outfits fielen also schonmal raus. Zu den voluminösen Falten wiederum finde ich schmale kurze Oberteile in den Proportionen am stimmigsten. Davon habe ich allerdings genau zwei, weil ich sie nur zu taillenhohen Hosen und Röcken kombinieren kann – bauchfrei ist nicht so mein Ding.
Aber das Gute ist ja: Wer einen Rock nähen kann, kann ihn auch verändern und optimieren.

Als Selmin von Tweed & Greet Blau als Juni-Farbe bei den 12 Colours of Handmade Fashion ausgab, entschied ich also, kein neues blaues Kleidungsstück zu nähen, sondern einem vorhandenen einen sinnvollen Lebensinhalt zu geben. Dafür habe ich den Rock fast komplett auseinander genommen. Der Bund ist der gleiche geblieben, da mir der hohe Sitz gut gefällt. Aus den sechs in Falten gelegten Bahnen sind vier glatt fallende geworden. Dafür habe ich meinen Standard-Schnitt für A-Linien-Röcke als Basis verwendet. Der stammt aus dem Buch Rock-Festival von Mme Zsazsa und hängt hier schon in diversen Variationen. Keine Experimente mehr.

Außerdem habe ich den Rock auf Knielänge gekürzt. Jetzt ist er ein ganz solider Basic-Jeansrock, mit dem ich es zwar nicht in die Streetstyle-Kolumnen der Modemagazine schaffe, der sich aber mit meinem Kleiderschrankinhalt ganz hervorragend versteht. (Mit dem Schuhregalinhalt übrigens auch.)

Mit meinem neuen Ringel-Shirt gibt er zum Beispiel ein spitzenmäßiges Sommer-Sonne-Badesee-Duo ab (Kommt vor der weißen Wand nicht so richtig rüber, aber ich hatte gerade keine passende Fototapete parat). Richtig gut finde ich ihn auch zu dem Sirocco-Top, das ich bereits vor einiger Zeit aus dem gleichen Stoff genäht habe, das mir aber für den ursprünglichen Rock zu lang und zu weit war. Deshalb habe ich es bisher nur zu Hosen getragen. Jetzt habe ich es aber noch mal mit dem Rock 2.0 ausprobiert und siehe da: locker in den Bund gesteckt, Gürtel drum, fertig ist das Sommer-Sonne-Grillparty-Kleid. Und auch zu dem Original-Kombipartner vom letzten Jahr, dem gestreiften Blusen-Top, passt der Rock natürlich noch (Davon gibt’s am Ende des Beitrags noch ein Bildchen).

Hoch motiviert von diesem Erfolgserlebnis habe ich dann gleich mal meinen UFO-Stapel unter die Lupe genommen und schon zwei weitere vermeintliche Fehlversuche reaktiviert. Denn jeder hat eine zweite Chance verdient, zumindest wenn er auf meinem Nähtisch entstanden ist.

Schöne Grüße
Christine

PS: Ganz schön blau wird’s ab heute bei Tweed &Greet’s 12 Colours of Handmade Fashion.
PPS: Auch verlinkt bei Handmade on Tuesday.


Etwas in Blau


Rock, redesigned
Schnitt: Svaneke von How to do Fashion kombiniert mit A-Linien-Rock-Grundschnitt aus „Rockfestival“ von Mme Zsazsa
Material: dünner blauer Denim, vergessen woher

Die Kombinationen


Shirt: selbstgenäht, Bethioua von Elle Puls mit kleinen Änderungen; Schuhe: Tamaris; Strohhut: vom Flohmarkt


Shirt: selbstgenäht, Sirocco von Dessine moi un patron, Schuhe: Tamaris, Gürtel: vergessen


Bluse: selbstgenäht, hier gezeigt, Schuhe: Görtz; Kette: s.Oliver, Armreif: Parfois

4 Kommentare zu “Jeansrock im zweiten Anlauf – ein blaues Redesign

  1. Hallo Christine,
    deine Idee finde ich klasse, jeder hat eine neue Chance verdient und die hat sich wirklich gelohnt, die Arbeit, die du nun nochmal in den Rock gesteckt hast. Schön finde ich deinen Umsetzung und die Kombinationsmöglichkeiten, die du hier vorstellst. Ich hab auch schon mal zwei Nähprojekten neues Leben eingehaucht, eines wurde ein Kleid und das anderen ein Hoodie für meinen Großen…
    Liebe Grüße
    Jana

    • Christine

      Dankeschön, liebe Jana! Das Neugestalten macht ja auch einfach mehr Spaß als etwas in die Tonne zu schmeißen 😉

  2. Viel mehr dein Stil als vorher, finde ich 🙂
    Ich bin ja leider zu solchen Re-fashion Aktionen immer ein bisschen zu faul… Nähte auftrennen find ich ziemlich nervig 😀
    Aber man sieht ja, dass es sich lohnen kann.
    Und ich bin ein totaler Fan deiner Kombi-Arrangements, super Idee diese Bilder!

    Liebe Grüße!

  3. Ach, ich finde es immer so beruhigend, wenn auch andere feststellen: ich hab mir was genäht, das nicht zu mir passt. Ich bin also nicht allein damit! Aber noch besser gefällt mir, wenn das Teil dann nicht einfach leise seufzend entsorgt wird, sondern etwas Besseres daraus entsteht. In diesem Sinne: herzlichen Glückwunsch, die Kombinationen sind alle überzeugend. Und motivierend, wenn man gerade mal wieder daneben getroffen hat mit einem Projekt ;o)

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