Musterschülerin. Oder: Warum meine neue Bluse lieber eine Hose sein wollte.

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Ich habe eine Art Musterphobie. In meinem Kleiderschrank gibt es fast nur Einfarbiges – abgesehen von Streifenshirts (Aber das zählt nicht, oder?) und ein paar sehr dezenten Ton-und-Ton-Mustern. Obwohl mir gemusterte Kleidungsstücke eigentlich oft gut gefallen – auf dem Bügel, oder an anderen. Aber an mir? Schwierig. Allerdings versuche ich gerade mich selbst zu therapieren. Neulich fand ich bei Stoff und Stil in Köln diesen sehr schönen Viskose-Webstoff mit blau-weißem Rauten-Muster. Perfekt für eine Bluse, dachte ich mir. Zuhause vor dem Spiegel drapierte ich ihn dann noch mal um meine Schultern und begann zu zweifeln. Vielleicht doch ein bisschen viel, irgendwie erschlägt dich das. Vielleicht wenn keine Ärmel dran sind? Und der Ausschnitt tiefer? Oder ich mach ’nen Kimono draus, dann kann ich noch was Einfarbiges drunter tragen? Ich grübelte ein paar Wochen lang, bis mir dann neulich an den heißen Tagen auf der Straße immer mal wieder Frauen in bunt gemusterten Hosen auffielen. Damit konnte ich mich dann schon mehr anfreunden.

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Passende Schnitte hatte ich auch da. Aber: Ich hatte ja nur 1,5 m Stoff eingekauft. Reicht für ’ne Bluse, bei ’ner Hose wird’s knapp, vor allem wenn der Stoff auch nur 1,35 m breit ist. Da ich aber meine aktuelle Mustermotivation nutzen wollte (und außerdem abzusehen war, dass die Zeit für fludderige Viskose-Hosen nicht mehr allzu lange andauern würde), machte ich mich todesmutig an den Zuschnitt. Ich habe selten so laut geflucht und so oft die Schnitteile dann doch noch mal ein paar Millimeter nach hier und ein kleines bisschen nach dort verschoben. Schummeln geht ja bei Mustern leider auch nicht. Aber am Ende hat alles gepasst, nur beim Bindegürtel musste ich etwas stückeln.

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Das Nähen ging dann zum Glück ganz flott. Was habe ich mich gefreut, dass die Rauten sich an den Mittelnähten tatsächlich genau spiegeln. (Yeah! Guckt Euch mal meinen … ähm, die rückwärtige Mitte an!) Und die Tascheneingriffe sind auch so gut wie unsichtbar. Muster können ja tatsächlich ganz ungeahnte Glücksgefühle auslösen.

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Die Therapie scheint anzuschlagen. Die Hose gefällt mir richtig gut. Trotz Muster. Oder deswegen? Keine Ahnung. Vielleicht probiere ich es jetzt mal mit dem Kimono.

Schöne Grüße

Christine

 

PS: Schnitt: Burda Nähkurs 1 („Blumenhose“). Damit trete ich heute zur Musterung bei RUMS an.

 

14 Kommentare zu “Musterschülerin. Oder: Warum meine neue Bluse lieber eine Hose sein wollte.

  1. Liebe Christine, deine Posts lese ich immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht, ich mag deine Art zu schreiben sehr 🙂 Schön, dass du den Mut zum Muster gefunden hast, sieht super aus!
    Viele Grüße
    Dani

    • Liebe Dani,
      vielen Dank! Ich kann diese ganzen Nähdramen ja auch nur durchstehen, wenn ich das alles nicht so ernst nehme. Freut mich, wenn Du mitlachen kannst 😉

  2. Hallo,
    eine schöne Musterhose – perfekte Naht am Popo 🙂 Wenn man bedenkt, wie du um jeden Zentimeter gekämpft hast… Jetzt hast du eine super luftig leichte Sommerhose – der Sommer kommt noch mal, keine Angst.
    lg Charla

  3. Hallöchen,

    die Hose ist klasse und Respekt für die Musterpassgenauigkeit.

    LG,
    Sandra

  4. Da schließe ich mich gleich mal an: Tolle Hose und meinen tiefsten Respekt vor so viel Passgenauigkeit beim Muster trotz Stoffknappheit! Und ich weiß wovon ich spreche: Diese Woche bin ich an der gleichen gewebten Viskose nur mit einem anderen Dessin gescheitert 😉 …

    Ein ausdrückliches Kompliment an dich und viele liebe Grüße,
    Sophie.

    • Oh nein, wie ärgerlich! Ich hoffe, es lässt sich noch etwas retten.
      Ich hatte allerdings neulich auch so eine kleine Pannenserie und habe mich deshalb besonders gefreut, dass diesmal alles geklappt hat.
      Schöne Grüße!

  5. Hihi, ich musste echt grinsen als ich deinen Beitrag gelesen habe. Ich habe es nämlich vor ein paar Wochen genau gleich gemacht und einen Blusenstoff in eine luftige Hose verwandelt 😀 Aus genau dem gleichen Grund, weil mir das Muster dann doch etwas zu viel war für eine Bluse. Und die Hose war viel dringender, also ist es einfach eine Hose geworden. War wahrscheinlich besser so 😉
    Die Hose steht dir auf jeden Fall super!

    Grüße,
    Pia

  6. Wow, die Hose sieht super aus. Gut, dass sie keine Bluse geworden ist. Die sitzt super und steht dir hervorragend, bunt-Phobie hin oder her. Viel Spaß an deiner neuen Hose und dass du sie dieses Jahr noch oft tragen kannst.
    LG Kirsten

  7. Tolle Hose! Gefällt mir total gut!
    LG sunshinemelc

  8. Ringel gilt nicht als Muster, da bin ich ganz deiner Meinung 🙂
    Liebe Christine, toll ist deine Hose geworden!
    Ist die Musterphobie nun überwunden? LG Tutti

  9. Hallo, Super – das liebe ich, wenn das Muster so ausgeht. Wunderbar, Deine Perfektion und Dein Schreibstil, hach klicke mich mal so durch – wobei das Jerseykleid, welches mich auf den Blog lotste, einfach toll ist.

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