(Stoff-)Marktregeln – Meine Einkaufsstrategie

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Am Samstag hat der Stoffmarkt Holland Station in Dortmund gemacht. Trotz des auch sonst guten Angebots an Stoffläden in der Umgebung, lasse ich mir dieses Spektakel natürlich selten angehen. Zu meinem ersten Stoffmarkt vor ein paar Jahren ging ich total planlos, konnte mich gar nicht entscheiden, so viele schöne, bunte, preiswerte Stoffe und Kurzwaren zu verlockenden Angeboten gab es. Am Ende kaufte ich mehrere Coupons, weil ich so für wenig Geld eine bunte Auswahl mitnehmen konnte – und weil es drei zum Preis von zweien gab. Alle liegen heute noch unvernäht im Schrank. Denn was fängt man mit einem halben Meter Pünktchen- oder Blümchen-Stoff an? Patchwork, Kindersachen, bauchfreie Tops jetzt mal ausgenommen.

Um mein Konto und meine Stofflagerkapazitäten nicht überzustrapazieren, habe ich mittlerweile eine kleine Strategie für den Stoffmarktbesuch (und für Stoffeinkäufe im Allgemeinen) entwickelt:

Regel Nr. 1: Wenn ich nichts brauche, gehe ich nicht hin.

Höhö.

Regel Nr. 2: Gut geplant ist halb genäht.

Ob App, Notizbuch oder Kassenzettelrückseite: Irgendwo notiere ich mir vorher meine Einkaufsliste. Darauf kommt dann alles, was mir für ein bestimmtes Projekt noch fehlt. Diesmal zum Beispiel ein Knopf für meinen schon so gut wie fertigen Blazer und gemusterten Stoff für eine Kurzjacke. Bei der großen Auswahl auf dem Markt kommen mir oft aber auch ganz andere als die geplanten Schnitte in den Sinn. Deshalb habe ich immer auch den Stoffverbrauch meiner Lieblingsschnitte und Richtwerte für einige Kleidungsstücke notiert. Viele Angaben kenne ich mittlerweile auswendig. Trotzdem schadet es nicht, sie auch noch mal schriftlich dabei zu haben, denn die Reizüberflutung führt bei mir manchmal auch zu leichter Verwirrtheit. Im Zweifelsfall frage ich einfach die Verkäufer oder eine kompetent aussehende Marktbesucherin …

Regel Nr. 3: Blau ist nicht blau

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Die Neuzugänge sollen natürlich zur vorhandenen Garderobe passen. Wenn ich ein ganz bestimmtes ergänzendes Kleidungsstück plane, z. B. einen Cardigan, der über einem Kleid getragen werden soll, nehme ich dann natürlich das Kleid oder ein entsprechendes Stoffmuster mit zum Einkauf. Für die Spontankäufe (oder wenn besagtes Kleid ein edles Seidenhemdchen ist, das nur zu speziellen Anlässen das Haus verlässt) ist ein Farbfächer unheimlich hilfreich  ­– besonders wenn man sich an eine bestimmte Farbpalette halten möchte, zum Beispiel im Rahmen einer Capsule Wardrobe. Da ja auf dem Markt selten die Möglichkeit besteht, sich mit dem Stoff vor einen Spiegel zu stellen, habe ich immer meinen Fächer mit den Sommertyp-Farben dabei. Da kann ich mir ziemlich sicher sein, dass der Stoff dann auch zu mir und zum Rest meines Kleiderschranks passt. Sparfüchse können sich auch mit Farbskalen aus dem Baumarkt behelfen.

Regel Nr. 4: Die Entscheidung fällt in der zweiten Halbzeit

Auf dem Stoffmarkt drehe ich grundsätzlich mindestens zwei Runden:

In Runde 1 verschaffe ich mir einen Überblick und schaue mir alles in Ruhe an (sofern die Menschenmassen das zulassen). Wichtig: Farben abgleichen und Materialzusammensetzung checken (Polyester kommt mir nur in Kleinstmengen ins Haus). Dabei stelle ich mir im Kopf (oder auch auf dem Papier) schon mal eine engere Auswahl zusammen. Erinnerungsfotos dürfen auch gemacht werden. Da es manche Stoffe in gleicher oder ähnlicher Art oft an mehreren Ständen gibt, schadet auch ein Preisvergleich nicht.

Auch wenn’s schwerfällt: In dieser Runde wird noch nichts gekauft. Mir ist es bisher noch nicht passiert, dass ein Stoff bei meiner zweiten Runde auf einmal ausverkauft war.

Dann: Kaffeepause. Ja, tatsächlich. Ich verlasse für mindestens eine halbe Stunde das Paradies (oder ist es eher die Vorhölle?) und mache erst mal gemütlich eine Pause. Bei einem leckeren Stück Torte kann sich das überstrapazierte Nervensystem dann wieder entspannen. Bevor ich das Café wieder verlasse, werden folgende Fragen mit der Shopping-Begleitung oder mit der eigenen inneren Stimme diskutiert: Ist das wirklich der richtige Stoff für mein Projekt? Der Stoff ist teurer als geplant, will ich so viel ausgeben? Bei Stoffliebe auf den ersten Blick: Werde ich wirklich jemals ein Kleid mit riesigen roten Mohnblüten tragen?

Mit – im Idealfall – eindeutigen Antworten geht es dann in die Runde 2, in der dann geshoppt werden darf. Ohne noch mal nach links oder rechts zu schauen (ok, aber nur ganz kurz), werden die Stände der Wahl angesteuert.

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Aus schmerzlicher Erfahrung habe ich mir angewöhnt, doppelt auf die Stoffbreite achten. Zu ärgerlich, wenn einem zuhause erst auffällt, dass der Stoff nur 1,15 breit liegt, die Angaben zum Schnittmuster aber von 1,40 ausgegangen sind, und der Stoff nun nicht reicht. Nachkaufen ist dann nämlich oft schwieriger als im Stoffladen vor Ort oder beim Online-Händler. Es schadet nicht, sich den Namen des Standbetreibers aufzuschreiben– manchmal gibt es praktischerweise auch Visitenkarten oder Flyer mit der Adresse –, um nachordern oder ihm schlimmstenfalls zum nächsten Markt hinterherreisen zu können.

Damit es nachher kein Malheur beim Waschen gibt, notiere ich mir direkt beim Kaufen die Materialzusammensetzung. Auch das geht natürlich ganz gut mit einem Notizbuch oder indem man den Stoff abfotografiert. Ich finde es aber auch ganz praktisch, kleine Etiketten mitzunehmen, die ich beschrifte und direkt auf den Stoff klebe.

In Runde 3 geht es dann eventuell noch zu den Kurzwarenständen. Ich habe mir aber angewöhnt, Zubehör, das ich auch in den Läden vor Ort bekomme, nicht mehr auf Vorrat zu kaufen, sondern erst dann, wenn ich mit einem Nähprojekt starte und genau weiß, was ich dafür brauche. Auf dem Stoffmarkt nehme ich deshalb nur besondere Kurzwaren mit, die ich sonst nirgends finde oder wirklich besonders günstig sind.

Und als Beweis, wie gut die Strategie funktioniert, hier meine übersichtliche Ausbeute:

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Viel Spaß beim Einkaufen (und Finger weg von den Coupons)!

Christine

 

Noch mehr Tipps zum Stoffkaufen gibt es übrigens bei das mach ich nachts und greenfietsen.

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