Ein fast schon kalligrafischer V-Ausschnitt

IMG_8664.JPG

Gemusterte Stoffe, ausgefallene Knöpfe, Ziernähte und Volants: alles so Sachen, die zwar ganz nett sind, auf die ich aber gut verzichten kann. Ausschnitte jedoch dürfen bei mir jede erdenkliche Form annehmen. Wer braucht schon einen banalen Rundhals, wenn er Wasserfall, U-Boot oder Karree haben kann. Klingt doch auch gleich viel aufregender. Oder eben V. Klingt nicht ganz so toll, geht aber vorne und hinten, groß und klein, breit, tief, mit was drunter oder auch nicht. Ist klar, was ich sagen will, oder?

Auf jeden Fall wusste ich bei diesem Raglanshirt aus der Burda 9/2014 schon beim Abzeichnen des Schnittmusters, dass ich es mögen würde. Schlicht, aber durch den leichten Retro-Touch nicht zu simpel. Schöne Details sind die Teilungsnähte. Vorne laufen sie in Verlängerung der Ausschnittblendenansatznähte (was für ein Wort!) schräg von der Mitte nach außen und unten. Der Rücken ist horizontal geteilt, die obere Hälfte noch einmal senkrecht. Die Armelbündchen hatte ich – den Umfang meines Bizeps gnadenlos überschätzend – etwas weiter gemacht als angegeben. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen. Dafür musste ich das Shirt insgesamt noch etwas verlängern. Da mir das aber beim Zuschneiden kurz entfallen war, habe ich nachträglich noch ein breites Bündchen aus dem gleichen Stoff angefügt, was mir sogar besser gefällt als ein einfacher Saum.

IMG_8676_A2

Vernäht habe ich dunkelblauen Viskosejersey und weißen Baumwolljersey. Nicht die optimale Kombination, weil der weiße Stoff etwas schwerer ist und die Ausschnittblende dadurch zum Durchhängen neigt. Das war es aber nicht, was mich fast zur Verzweiflung gebracht hat. Es war (Überraschung!) die Anleitung (Burda, ne.). Obwohl ich es eigentlich mittlerweile besser wissen müsste, vertraue ich manchmal voll auf die Angaben dort, statt auf mein Bauchgefühl (und meine Fortgeschrittene-Anfänger-Näherfahrung) zu hören, die mir was ganz anderes sagen. Vielleicht klappt die Burda-Methode sogar, wenn man supersuperexakt arbeitet. Tu ich aber leider nicht. Und deshalb war das erste Ergebnis mehr als schräg.

Nach mehrmaligem Auftrennen, Neuzusammennähen, Fluchen, Auftrennen, Von-Hand-retten-was-zu-retten-ist, wurde es am Ende dann aber doch noch ein V. Allerdings nicht so ein schön symmetrisches wie in diesem Text. Es ist eher ein Schreibschrift-V, leicht geneigt mit dezentem Schwung, rechts etwas mehr als links, was sich aber, wie ihr auf den Fotos sehen könnt, durch leichte Schrägstellung der Trägerin wieder ein wenig ausgleichen lässt.

IMG_8663_A

Das war zwar nicht der Plan. Aber hej: Sagte ich nicht, ich mag Ausschnitte in allen Formen? Und jetzt habe ich sogar meinen eigenen erfunden: den Schreibschrift-V-Ausschnitt.

Schöne Grüße aus dem Wartezimmer des Patentamtes

Christine

 

 

0 Kommentare zu “Ein fast schon kalligrafischer V-Ausschnitt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.